Gerüche aus Neuwagen und Gebrauchtwagen entfernen

Experten-Tipps, um Gerüche im Auto zu eliminieren

Neuwagen haben meistens einen starken Eigengeruch. Dieser „Neuwagengeruch“ besteht aus Lösungsmitteln, Weichmachern und Lacken. Die Chemikalien dünsten eine ganze Weile aus, bis das Auto nicht mehr oder weniger riecht.

Gebrauchtwagen sind oft nicht weniger problematisch. Gerüche, Parfums des Vorbesitzers, duftende Reinigungsmittel oder Zigarettenrauch, sich zersetzende Weichmacher können bei Allergikern, Asthmatikern und Chemikaliensensiblen Beschwerden auslösen. Sie können so erheblich sein, dass eine längere Fahrt mit dem Auto nicht möglich ist.

Allergiker, Asthmatiker und ganz besonders Personen mit Chemikaliensensitivität (MCS) benötigen ein Auto, das geruchsfrei und weitgehend schadstofffrei ist. Anhand der nachfolgenden praktischen Lösungsvorschläge dürfte es in den meisten Fällen möglich sein, den Neuwagengeruch oder Gerüche in einem Gebrauchtwagen zu eliminieren, oder zumindest eine Verbesserung der Wageninnenraumluft zu erzielen. Oder mittels der nachfolgenden Checkliste gleich beim Kauf ein geeignetes Auto zu finden.

Autokauf – Checkliste für Allergiker, Asthmatiker und Personen mit MCS

Neuwagen können durch die Ausgasung von Produktionschemikalien sehr problematisch sein. Es ist bekannt, dass solche Chemikalien MAK-Werte über Monate um ein mehrfaches übersteigen können und manche über Jahre hinweg ausgasen. Einige Hersteller haben in den vergangenen Jahren durch den Druck der Autokäufer dazugelernt und produzieren schadstoffarm. Für Allergiker, Asthmatiker, MCS-Kranke und eigentlich für jeden Gesundheitsbewussten ist es sinnvoll, beim Kauf eines Neuwagens Hersteller zu wählen, der schadstoffkontrolliert herstellt. Einige Autohersteller verwenden für Innenraummaterialien weitgehend keine Lösungsmittel mehr und verwenden schadstoffgeprüfte Materialien für die Sitze.

Checkliste Autokauf

  • Darauf achten, dass der Hersteller schadstoffkontrolliert produziert und keine oder nur geringe Recyclinganteile verwendet.
  • Kein Fahrzeug kaufen, welches frisch shampooniert wurde oder in dem Cockpitspray, etc. zur Anwendung kam.
  • Kein Raucherauto oder Fahrzeug mit Parfumgeruch kaufen. Diese giften häufig je nach Chemikalienkombination bei Sonneneinstrahlung, erhöhter Luftfeuchtigkeit oder Kälte erneut auf.
  • Kein Fahrzeug mit Duftbäumchen (gibt es in den verschiedensten Duftrichtungen, hängen am Spiegel) kaufen. Der Geruch ist signifikant und verfliegt nicht vollständig, sondern riecht bei Sonneneinstrahlung neu auf.
  • Ist das Auto feucht? Ist der Fußraum und Kofferraum trocken? Matten anheben. Ansonsten ist mit Schimmelpilz zu rechnen.
  • Sind Tierhaare im Auto zu finden? Bei Feuchtigkeit wird z.B. Hundegeruch wieder zu Tage treten.
  • Sind bei der Probefahrt Benzin-, Ölgeruch oder Abgase wahrnehmbar? Ist der Motorraum verölt? Nicht kaufen!
  • Ist die Klimaanlage geruchsneutral, riecht sie muffig oder nach Chemie?
  • Ein besichtigtes Auto, für das Kaufabsicht besteht, nicht mehr aufbereiten lassen, weil hierbei viele chemische Mittel verwendet werden.

Saubere Luft im Auto

Ein Autoluftreiniger mit HEPA und Aktivkohlefilter ist für Personen mit schweren Allergien, Asthmatiker und Chemikaliensensible extrem wichtig, um problemlos am Straßenverkehr teilnehmen zu können. Innenstädte mit hohem Abgas-, Schadstoff- und Feinstaubgehalt in der Luft, bzw. Industriegebiete, Staus, Tunnels, etc. sind für diese Personengruppe ansonsten nicht beschwerdefrei zu durchfahren. Autoluftreiniger gibt es mittlerweile in mehreren Preislagen und auf die verschiedenen Sensibilitätsgrade ausgerichtet. Hypersensible, speziell mit Reaktionen auf Chemikalien, sollten darauf achten, dass der Luftreiniger über eine Aktivkohlefilter verfügt. Die Filter müssen regelmäßig ausgetauscht werden, damit sie vollen Nutzen bringen.

Für weniger schwer Betroffene reicht bereits der Airtamer Luftreiniger zum Umhängen, der auch mittels Adapter über den Zigarettenanzünder betrieben werden kann. Dieser kleine Luftreiniger ist auch sehr praktisch für alle, die mit dem Flugzeug unterwegs sind und dann einen Leihwagen benötigen. Auch ein physikalisch wirkender Geruchskiller ist praktisch für unterwegs.

Ein weiteres Hilfsmittel stellt eine Aktivkohlefiltermaske dar, die im Bedarfsfall getragen werden kann. Sie filtert Abgase, wie auch Schadstoffe. Zusätzlich ist sie sehr wichtig beim Tanken.

Gerüche, Schadstoffe im Auto beseitigen

Zur allgemeinen Luftverbesserung hilft es mehrere Zeolith-Beutel im Auto auszulegen. Zeolith ist ein aus natürlichem Vulkangestein gewonnener Geruchsabsorber. Auch Aktivkohlematten oder Vlies aus Aktivkohle sind sehr effektiv, um die Luft im Auto zu verbessern und Chemikalien aufzunehmen. Insbesondere bei Neuwagen sollte man beides verwenden, Zeolith und Aktivkohle, weil manche Chemikalien zu dem einen mehr Affinität besitzen wie zum anderen Filtermedium.

Von“ Luftverbesserern“ in Sprayform sollte man gänzlich absehen. Ebenso sind Duftbäumchen, die man an Tankstellen erhält, ungeeignet, die Luft im Fahrzeuginneren zu reinigen. Gleiches gilt für Parfümzerstäuber im Auto. „Luftverbesserer“, Duftbäumchen und Parfümzerstäuber enthalten Chemikalien, die Gerüche zwar überdecken, aber nicht eliminieren können. Man hat also mehr Schadstoffe als zuvor im Auto, was die Gesundheit zusätzlich belastet.

Ozonisieren ist ein Verfahren, dass von Spezialfirmen und Autoaufbereitungsfirmen angeboten wird, um Gerüche und Chemikalien zu beseitigen. Man sollte bedenken, dass ein Auto nach der Ozonisierung für einige Tage nicht benutzt werden kann, weil das Ozon selbst ein Schadstoff ist und komplett ausgelüftet werden muss.

Wärmebehandlung ist ebenfalls eine Möglichkeit, die Abhilfe bei Neuwagengeruch bringen kann. Autolackierereien haben sogenannte „Trocknungskammern“ zum Aushärten von Lacken. Es kann sehr hilfreich sein, einen Neuwagen für eine Nacht einer solchen Temperaturbehandlung zu unterziehen. Hinterher muss das Fahrzeug ausgelüftet und innen sehr gründlich gereinigt werden. Für die Reinigungsprozedur am besten mit einem Mikrofaser Reinigungstuch und AFM Allzweckreiniger. Hierbei sollten Einweghandschuhe getragen werden.

Experten-Tipps:

Sogenannte Pollenfilter oder Schadstofffilter, die im Motorraum installiert sind, sollten häufig gewechselt werden und für die feuchte Herbst-, Winterzeit entfernt werden, um einen Schimmelpilzeintrag zu vermeiden.

Keine Geruchsvernichtersprays oder Geruchsmaskierungssprays verwenden. Sie überdecken Gerüche nur und eliminieren sie nicht. Sie bestehen meist aus Dutzenden von Chemikalien. Für Allergiker, Asthmatiker, Chemikaliensensible und Kinder kann das sehr gefährlich werden.

Teppichboden im Auto kann viele Schadstoffe enthalten

Teppichboden im Auto enthält in der Regel eine Menge Chemikalien, die ausdünsten können. Mit Lösungsmitteln, Weichmachern, Flammschutzmitteln und Fungiziden ist u.a. zu rechnen. Sollte die Ausgasungen des Teppichbodens im Auto ein Problem darstellen, kann er mit AFM Teppichshampoo, welches speziell für Chemikaliensensible entwickelt wurde, gereinigt werden. Sollte dies nicht ausreichen, kann man ihn zusätzlich mit der AFM Teppichschadstoffversiegelung und AFM Faserversiegelung behandeln. Diese Maßnahme sorgt dafür, dass der chemisch ausgerüstete Teppichboden nicht mehr ausgast. (An einer unsichtbaren Stelle ausprobieren, um sicherzustellen, dass sich keine farbliche Veränderung ergibt).

Eine weitere Möglichkeit stellen Zeolith und Aktivkohle-Vlies dar. Beides lässt man über den Zeitraum von ein paar Tagen auf dem Teppichboden und Polster liegen. Diese hochwirksame, chemiefreie Geruchs- und Chemikalienabsorber bewirken meist wahre Wunder. Es ist sinnvoll, eine große Aktivkohlematte zu nehmen und diese wenn das Fahrzeug nicht benutzt wird komplett über die Sitze und den Fußraum auszubreiten.

Kunststoff- und Vinylteile im Innenraum

Häufig reicht bereits ein mehrmaliges Abwaschen mit einem Mikrofasertuch und AFM-Superclean Allzweckreiniger, einem Spezialreiniger, der speziell für Chemikaliensensible entwickelt wurde, um den typischen Plastikgeruch zu eliminieren. Sobald sich wieder ein Schmierfilm auf den Glasscheiben niedergeschlagen hat, sollte die Prozedur wiederholt werden. Reinigungstücher aus Mikrofaser sind deshalb besonders gut geeignet, weil die Fasern gründlich reinigen.

Gerüche, Schadstoffe in Autositzen und Polstern beseitigen

Sollten die Ausdünstungen der Sitze und Polster ein Problem darstellen, kann ein Abdecken mit einer großen Aktivkohlematte helfen. Man kann sie passend zuschneiden oder falten.

Für den Notfall kann man sich mit einem Baumwollbettlaken, oder einem großen Baumwollhandtuch behelfen. Spezielle Schutzbezüge, genäht aus Stoffbarrierenstoff, evtl. in Kombination mit Aktivkohlevlies, reduzieren häufig die Ausgasungen aus Sitzen und Polsterstoff erheblich.

Gerüche aus Autopolstern von Gebrauchtwagen kann man oft sehr gut mit dem AFM  Teppich- und Postershampoo und/oder mit Kaisers Natron beseitigen. Dazu sollte man allerdings ein paar Tage auf das Fahrzeug verzichten können. Man streut das Kaisers Natron Pulver über Sitze und ggf. auf den Teppichboden und lässt es ein paar Tage „arbeiten“. Danach reinigt man das Auto gründlich mit dem Staubsauger. Dieses Verfahren kann mehrfach wiederholt werden.

Sollten die beschriebenen Maßnahmen nicht ausreichen, kann man die Sitze mit einer silberfarbenen Rettungsisolierdecke (Vorsicht: die goldenen Decken dünsten Phenol aus) bedecken und anschließend mit den oben beschrieben Spezialschutzbezügen ausstatten. Diese Maßnahme ist auch für Leihwagen eine überall praktikable Lösung.

Lüftung, Klimaanlage

Beim Gebrauchtwagenkauf sollte bei der Probefahrt Klimaanlage, Lüftung und Heizung gründlich durchprobiert werden. Bei manchen Fahrzeugen ist deren Geruch oder Kontaminierung nicht tolerierbar für Allergiker, Asthmatiker und Chemikaliensensible.

Eine muffig riechende Lüftung kann durch Einstreuen von Baking Soda (Kaiser’s Natron) in die Ansaugöffnung verbessert werden. Die Lüftung auf alle möglichen Variationen einstellen und durchpusten lassen. Leider ist danach eine gründliche Reinigung des Wageninneren aufgrund des aus den Lüftungsschlitzen ausgetretenen Pulvers erforderlich.

Beim Neubefüllen der Klimaanlage und bei der Wartung sollte mit der Werkstatt abgesprochen werden, dass keine gefährlichen Chemikalien oder Produkte mit Duftstoffen zum Einsatz kommen.

Experten-Tipps für Allergiker für das Reisen mit dem Auto

  • Der Fahrzeuginnenraum sollte regelmäßig gesaugt und feucht gereinigt werden, um Staubbelastung und daran gebundene Chemikalien zu minimieren.
  • Keinen Reservekanister, Chemikalien oder Spraydosen im Wagen mitführen, sie gasen immer aus. Vorsicht beim Transport von Rasenmähern oder ähnlichem Gerät, welche Benzin enthalten. Nur in einer Wanne transportieren.
  • Beim Transport von Flüssigkeiten oder Gegenständen mit Flüssigkeiten darauf achten, dass diese nicht auslaufen können und sie in eine Kunststoffkiste stellen.
  • Sollte das Auto in die Werkstatt müssen, ist ein Hinweis auf die jeweiligen Allergien sinnvoll, sowie auf die besonderen Bedürfnisse und Anweisungen, was vermieden werden soll.
  • Immer eine Einweg-Aktivkohlemaske und Einweg-Schutzhandschuhe im Handschuhfach mitnehmen, um sich zu schützen, falls es erforderlich ist.

Autor: Silvia K. Müller, CSN – Chemical Sensitivity Network, 25. September 2012


2 Kommentare zu “Gerüche aus Neuwagen und Gebrauchtwagen entfernen”

  1. GussHeiss 27. September 2016 um 12:24

    Und ich dachte ich werde immer krank, weil es im Auto meiner Arbeitskollegen so kalt ist wie im Klimaschrank. Vielleicht sollte ich denen mal einen Aktivkohlefilter besorgen 🙂

  2. Bernd 1. Januar 2017 um 14:49

    Ich danke Ihnen für diesen hilfreichen Artikel. Sie haben das sehr anschaulich erklärt. Um diese Gerüche loszuwerden bedarf es nun mal mehr als nur ein Duftbäumchen.

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